Es war damals saukalt, wir mußten unentwegt marschieren bei der Kälte. Unser Unteroffizier schrie: "Ein Lied!", und alle folgten gehorsam dem Befehl, nur ich nicht. Da schrie mich der Unteroffizier, der mich eine Zeitlang beobachtet hatte, an: "Rekrut Edelmann, weshalb singen Sie nicht mit? Sie bilden sich wohl ein, etwas Besseres zu sein! Wissen Sie denn nicht, daß man sein Maul aufmacht beim Singen und die Zähne auseinandergibt? Was sind sie denn von Beruf?" Darauf antwortete ich "Opernsänger". Da gibt es schallendes Gelächter, die ganze Kompanie johlte und konnte sich lange nicht beruhigen. Der Unteroffizier satnd wütend mit rotem Kopf vor mir, bis er endlich begriff, daß mich der Spieß vom Singen befreit hatte, weil ich bei so eisiger Kälte meine Stimme schonen mußte. Womit ich aber nicht gerechnet hatte: Am Abend wurde ich in seine Stube gerufen. In ganz anderem Ton bat er mich jetzt, ihm doch einmal etwas vorzusingen. Auf die Wand deutend, wo seine Gitarre hing, fragte ich, ob ich diese benutzen dürfe. Dann spielte und sang ich für ihn "Heimat, deine Sterne" . ganz hingerissen davon, schüttelte er mir freundlich die Hand und dankte mir überschwenglich für dieses Lied. Von diesem Augenblick an hatte ich ein Stein im Brett bei ihm und kam bestens mit ihm aus. Daß ich eine solche Stimme hatte, sprach sich rasch herum. Ich mußte noch öfter singen und nicht nur im Kasernenhof. Das erste Mal sang ich als Flaksoldat in Uniform während eines Wehrmachtskonzerts im Stefaniensaal in Linz. |
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