"Otto Edelmann als Figaro! Man setzte ein Ausrufungszeichen hinter seinem Namen und tue es voller Bewußtheit. Ein Bass von klanglichen Qualitäten und einer Gepflegtheit der Handhabung, die Erfüllung höchster Ansprüche sind, um die uns zahlreiche Bühnen beneiden und sich in Zukunft reißen werden. Sein Parlando gelockert, seine Cavatine aus den unaufdringlich angedeuteten sozialen Hintergründen sehr eindrucksstark gestaltet, seine Arie des letzten Aktes in Ton und Spiel aus innerer Erlebniskraft überzeugend geformt. Man hat seine helle Freude an diesem Figaro, der auch in Gestalt und Gehabe, in seinem von innen kommenden Übermut das Idealbild eines Mozart-Figaro abgibt"


Der Aufbau des Finale - unerlernbare und unkopierbare Gehimkünste eines Dirigenten, Zeugnisse eines "unio mystica", eines geheimnisvollen Eins-Sein mit dem Werk! - Stärksten gesangslich-drstellerischen Eindruck bot aber Otto Edelmanns überwältigender "Eremit".


"Gounods "Margerethe" kann in ihrer Neueinstudierung als eine der besten Leisungen der Volksoper in dieser Saison bezeichnet werden. Eine Teilweise Neubesetzung der Rollen bot Gelegenheit, die jüngeren Mitglieder des Ensembles in Aktion zu sehen. Unter ihnen zeichnete sich vor allem Otto Edelmann in der Rolle des Mephisto aus. Eine wundervolle, ausgeglichene, vorzüglich sitzende, metallisch timbrierte Bassstimme, die mühelos größere Schwierigkeiten bewältigt als man verlangen konnte, Musikalität, eine tadellose Bühnen Erscheinung und passables schauspielerisches Können vereinen sich zu einer Gesamtleistung, die den Künstler bereits jetzt als einen der besten Vertreter seines Faches in Wien erkennen."


An erster Stelle nennen wir diesmal Otto Edelmann, dessen ungemein weicher, warm timbrierter Bassbariton ganz ausgezeichnet geführt wird. Die Szene König Philipps war daher in der Tat ein wirklich großes Gesangserlebnis, dem auch das Publikum Rechnung trug. Denn ein Begeisterungssturm, der sonst nur besonderen Tenorlieblingen zuteil wird, brandete nach Schluss seiner Arie auf und bewies, dass Graz sein Theater und seine Künstler liebt, wenn gut gespielt und vor allem schön gesungen wird. Nun, Otto Edelmann sang herrlich, und unser aufrichtiger Dank und Gruß gilt nicht nur ihm, sondern diesmal auch der Operndirektion, die diesen Wohlgeübten Sänger nach Graz berief.


„Das Basssolo, das dem Vokalquartett Eintritt schafft, hatte in Otto Edelmann, der es zum ersten Male sang, einen stimmgewaltigen Sänger. Man kann diesem außergewöhnlich schönen Organ und seiner klar disponierten Führung eine Manowarda-Laufbahn vorhersagen.“


„... die Stimme trug diszipliniert vom ´parodistischen Falsett bis zu des Basses Tiefen´ ausdrucksvoll und plastisch die dramatische Spannung.“ Ein anderes Urteil lautete: „Von der Neuinszenierung des ‚Falstaff’ lässt sich sagen, was allzu oft unverdient und eitel ausgesprochen wird: Es war ein großer Abend der Wiener Staatsoper. Otto Edelmann ist in der Titelrolle eine Leistung gelungen, die an Macht und Schönheit der Stimme, Technik ihrer Führung und vollendeter Ausarbeitung der schauspielerischen Details kaum überboten werden kann.“ In der Kritik Heinrich Kraliks in der „Presse“ war von „königlicher Überlegenheit hinsichtlich der Gestaltung der Rolle durch Edelmann“ zu lesen.


„Das Niveau der Vorstellung war hoch und erhebend, noch höher aber, wenn Otto Edelmann als `Hans Sachs` auf der Bühne war, was glücklicherweise sehr oft der Fall ist. Edelmanns Darstellung in seiner Rolle war erfahren, warmherzig und unwahrscheinlich menschlich. Er besitzt eine wirklich schöne Stimme und letzte Nacht einen wundervoll fließenden Ton!“


Otto Edelmann bewältigt die nicht geringe Schwierigkeiten der Titelpartie, die mit ihrer bis in Tenorregionen reichenden Höhenlage und ansehnlicher Tiefe mit Recht gefürchtet ist, gesanglich vortrefflich. Sein reiches, fülliges gut behandeltes Organ trägt sehr schön. Allerdings fehlt ihm die Intensität des dramatischen Ausdrucks, die Aura des Dämonischen, Gespenstischen, die den unseligen Seefahrer umwittert. Er bleibt lyrisch, verbindlich und das wilde Aufbegehren des Holländers gegen das Schicksal macht er nicht ganz glaubhaft.


Leporello ist diesmal Otto Edelmann, der hier schon die Mayr-Nachfolge erfolgreich antritt, ein untreuer Diener seines Herrn, boshaft, tückisch, humorvoll, harlekinesk. Sein Italienisch hat manchmal einen leicht hernalserischen Akzent, aber Leporello (Liperl) ist ja ein Mann aus dem Volk, und die Figur lebt und blüht! Die Registerarie war ein verdienter Separaterfolg.


Am 12. November 1954 war in der „New York Times“ über Otto Edelmanns Hans Sachs zu lesen: „Der Sachs des Herrn Edelmann ist eine absolut ursprüngliche Leistung, die jedoch nur in persönlicher Ausdrucksfähigkeit und Beredsamkeit von der großen Tradition dieser Partie abweicht. Er ist der menschlichste Sachs, den wir je gesehen haben, und einer der talentiertesten und interessantesten Sänger, der diese Rolle in den letzten Jahrzehnten an der Metropolitan Opera gesungen hat. Jede Szene war fesselnd und ergreifend. Die Stimme ist prachtvoll männlich und ungestüm mit einem warmen Timbre, dass der Sänger wundervoll zu modulieren versteht. Seine deutsche Aussprache ist für einen Nichtdeutschen, der die Sprache nur oberflächlich kennt, bemerkenswert in ihrer Klarheit. Welche Bedeutsamkeit in der Deklamation und Herzlichkeit, trotzdem ist alles gesungen und nicht nur deklamiert. Man ist versucht, Szene nach Szene zu beschrieben, besonders nachdrücklich im zweiten Akt die Szene mit Eva, die Szene mit Walther in der Komposition des Preisliedes und die meisterliche Komödie zwischen Sachs und Beckmesser in der Schusterstube. Diese Vorstellung von ‚Meistersinger’ wird in ihrer Beredsamkeit, ihrem noblen Geist und den Leistungen der Sänger in der Geschichte der Metropolitan Opera New York noch lange herausragen.“


Douglas Watt, der prominente Kritiker der „New York Daily News“, zollte ihm hohes Lob: „Ein anderer deutscher Bariton, Otto Edelmann, sang seinen ersten König Heinrich hier und vollbrachte eine herrliche Leistung. Nach meiner Meinung besitzt Edelmann eine der allerschönsten Stimmen der heutigen deutschen männlichen Sängergeneration.


„Otto Edelmann gab von einem bis auf den letzten Stehplatz ausverkauften Haus einen ungewöhnlich eindrucksvollen Liederabend. Hans Sachs und Wotan und der polternde Ochs – Edelmanns Domäne auf der Opernbühne – waren für diesen Abend vorgesehen, und es regierten unangefochten und allein die stillen musikalischen Schwärmereien Hugo Wolfs, Franz Schuberts, Robert Schumanns, Carl Loewes und Richard Strauss’. Edelmann ließ sie leuchten wie strahlende Sterne – hauchzart, vollendet, versehen mit dem schimmernden Glanz einer Baritonstimme, die zu den reinsten und schönsten zählt, die man gegenwärtig auf Bühne oder Schallplatte hören kann. Ihre dynamische Größe paart sich mit fast erschütternder Überzeugungskraft und ergreifender Einfachheit, und ihre technische Vollendung wird nur noch von der Feinheit ihrer Phrasierung übertroffen.“


Der zweite Glücksfall ist der Ochs von Otto Edelmann. Richard Strauss hat sich immer dagegen gewehrt, dass man diese Figur als ein ‚scheußliches, ordinäres Ungeheuer mit gräulicher Maske und Proletariermanieren’ dargestellt hat. Demgegenüber erfüllt Otto Edelmann die Forderung des Komponisten nach einer ‚ländlichen Don-Juan-Schönheit’ von etwa 35 Jahren, nach einem ‚verbauerten’ Kavalier, dem es in der Wiener Stadt gar nicht gefallen will. Seine wahllose Schürzenjägerei geschieht nicht ohne sanguinischen Charme; jovial und genießerisch, ist er doch im Innersten der ‚aufgeblasene, schlechte Kerl’, von dem die Feldmarschallin, und der Schmutzian, von dem Strauss spricht. Die Ablehnung durch die fünfzehnjährige Sophie entspringt daher einer instinktsicheren Scheu, nicht dem trotz allem ‚präsentablen’ Äußeren. Auch gesanglich erfüllt Otto Edelmann alle Anforderungen der Partie, vor allem in dem übermütigen Vortrag des berühmten Walzers.